Baden-Württemberg

Beispiele aus der Beschaffungspraxis: Fuhrpark

Hier finden Sie erfolgreiche kommunale Umsetzungsbeispiele, die die Vielfalt der Beschaffungsfälle, aber auch die Vielfalt erfolgreicher Lösungen zeigen. Ob optionale oder verbindliche Einhaltung, grundlegende oder weitergehende Kriterien, hier werden Sie fündig. Nur von Kommunen freigegebene Beispiele können wir hier veröffentlichen, daher bitten wir Sie, uns Ihre erfolgreichen Beispiele ebenfalls über dieses Formular einzureichen. Vielen Dank dafür!

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass es sich bei den folgenden Seiteninhalten um Beispiele handelt, wie unterschiedliche Kommunen erfolgreich nachhaltig beschafft haben, nicht um juristisch geprüfte Musterunterlagen. Wir bemühen uns um möglichst große Aktualität und erarbeiten die Zusammenfassungen nach bestem Wissen gemeinsam mit den Kommunen. 

Dennoch können wir eine rechtssichere Übertragung auf Ihre individuelle Beschaffung nicht garantieren, da diese von sehr vielen Faktoren (lokaler Rechtsrahmen, Ausschreibungsgegenstand, Marktlage etc.) abhängt. Jede Kommune und Vergabestelle ist selbst verantwortlich für die rechtssichere Umsetzung ihrer Vergaben.

Was ist neu hier?

  • Alle Beispiele einer Produktgruppe sind jetzt auf einer Seite
  • Die die Produkte finden Sie über dem Fließtext des Beispiels aufgelistet
  • Bei den Unternehmen ist in der Spalte “Produkte” angeführt, welche Produkte dieser Produktgruppe angeboten werden

Beschaffte Produkte

Fuhrpark: Elektrofahrzeuge

Beschreibung des Praxisbeispiels

Die Stadt Freiburg hat ein Personenmobilitätskonzept entwickelt. Wesentliche Bausteine sind:

  • Einführung eines amtsübergreifenden (Elektro-)Pkw-Pool (verwaltungsinternes Car-Sharing)
  • Restriktive Parkplatzvergabe an Mitarbeitende und Erhöhung der Mietpreise
  • Erhöhung Zuschuss Jobticket
  • Förderung des Radfahrverkehrs
  • Verwaltungsinterne Posttransporte (inklusive Schulen, Kindergärten und Wohnheime) komplett über Fahrradkuriere

Ab Dezember 2017 wurde der (Elektro-)PKW-Pool eingerichtet, der im Endausbau 70 Fahrzeuge umfassen wird, 53 davon mit Elektroantrieb. Die Elektroflotte enthält Kleinst-, Klein-, Kompakt- und kleine Lieferwagen jeweils mit Elektromotor. Für längere Strecken werden außerdem 17 konventionelle Fahrzeuge mit aktueller Umwelttechnik verwendet. Die eingesetzten Modelle und Antriebsarten sind nach den spezifischen Bedürfnissen der Stadtverwaltung hinsichtlich Größe, Fahrziele und Reichweite ausgewählt worden. Deshalb ist der hohe Elektroanteil von 75% möglich.

Da die Stadt Freiburg ausschließlich Ökostrom bezieht, ist ein klimaneutraler und schadstofffreier Betrieb der Elektroautos gewährleistet. Die Investitionen für die Fahrzeuge und die Elektroladeinfrastruktur betragen rund 2,7 Millionen Euro. Diese werden zu 90% aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz (KInvFG) bezuschusst.

Zur Umsetzung des Pools wurde eine Ausschreibung von 61 Neufahrzeugen mit Servicevertrag Anfang 2017 durchgeführt. Im Leistungsverzeichnis wurden folgende Wertungs- bzw. Zuschlagskriterien festgelegt: 67% Angebotspreis (Anschaffungswert und Servicekosten), 3% Mehr-/Minderkilometer beim Servicevertrag sowie 30% Umweltkriterien.

Leistungsverzeichnis Elektrofahrzeuge (2017) als Dokument

Stand der Umsetzung (8/2023)

Die ergriffenen Maßnahmen des Personenmobilitätskonzeptes haben sich bewährt. Sie werden regelmäßig evaluiert und bei Bedarf erfolgen Nachsteuerungen (z.B.  Zuschusshöhe JobTicket, Fahrradleasing im Gehaltsumwandlungsmodell, Inspektion von Privaträdern am Arbeitsplatz gegen Entgelt). Hervorzuheben sind der weitestgehende Einsatz der reinen Elektro-Pkws im Pool und der sehr hohe Anteil an JobTicket-Nutzenden (aktuelle Quote fast 70 %).


Einwohnerzahl Freiburg im Breisgau: 232.000

Kontakt:

Jochen Winterer
Haupt- und Personalamt
Telefon: 0761-2011131
E-Mail: jochen.winterer@stadt.freiburg.de


Beschaffte Produkte

Fuhrpark: Kraftfahrzeuge

Beschreibung des Praxisbeispiels

Im Rahmen einer Öffentlichen Ausschreibung hat die Stadt Ludwigsburg im ­Juli 2023 drei Transporter (3 Lose) für verschiedene Einsatzzwecke beschafft.

Dabei wurde die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards eingefordert:

Soziale Nachhaltigkeit

Die Leistungsbeschreibung verlangt unter „3. Vertragsbedingungen zur Auftragsausführung“ die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Als Nachweis waren die Ausführungsbedingungen ILO Kernarbeitsnormen (Anlage N3) einzureichen. Die Nichteinreichung führte zum Ausschluss des Angebots.

Ökologische Nachhaltigkeit

Als Eignungskriterium wurde der Nachweis über ein Umweltmanagementsystem gefordert, nachzuweisen über EMAS, ISO 14001 oder gleichwertig. Neben Zertifikaten wurde auch die ausführliche schriftliche Darstellung betrieblicher Umweltmaßnahmen akzeptiert.

Als Zuschlagskriterium wurden zu 70 % die Lebenszykluskosten der Fahrzeuge in der Wertung berücksichtigt. In der Leistungsbeschreibung heißt es dazu:

„Mit Hilfe der Berechnung von Lebenszykluskosten lassen sich Produkte unter Berücksichtigung aller während des Lebenszyklus relevanten anfallenden Kosten, auf ihre Wirtschaftlichkeit hin vergleichen. Umweltfreundliche Produkte erweisen sich dabei in vielen Fällen als die wirtschaftlichste Variante.“

Als Information war das Beiblatt Nachhaltige Beschaffung nach Cradle-to-Cradle (Anlage N1) Teil der Ausschreibungsunterlagen.

In die Lebenszykluskosten flossen ein:

  • Gesamtpreis (€)
  • Kraftstoffverbrauch (l/100km)
  • CO2-Emissionen (g/km)
  • NOX (Stickoxide) (g/km)*
  • Partikel (g/km)*
  • Nichtmethan-Kohlenwasserstoffe (g/km)*

(Die Nichtvorlage der mit * markierten Kriterien führte nicht zum Ausschluss des Angebots.)

Für die Ermittlung der Lebenszykluskosten war als Tool eine Excel-Datei der Europäischen Kommission zur Lebenszykluskostenberechnung von Fahrzeugen (Anlage N5) Teil der Ausschreibungsunterlagen.

Ausblick

Bei zukünftigen Beschaffungen soll das neue Tool des ifeu Instituts zur Lebenszykluskostenberechnung (zunächst testweise) zum Einsatz kommen, da hier aktuellere Werte hinterlegt (vor allem ein aktuellerer CO2-Wert) sind.

 

Zum Download

[Leistungsbeschreibung]
[Anlage N1 Beiblatt Nachhaltige Beschaffung]
[Anlage N3 Ausführungsbedingunen ILO]
[Anlage N5 Lebenszykluskostenrechner – s. auch Website von KOINNO]


Einwohnerzahl Ludwigsburg: 99.000

Kontakt:

Patrick Alex
Zentrale Beschaffung und Vergabe – Nachhaltige Beschaffung
Telefon: 07141/910-3616
E-Mail: p.alex@ludwigsburg.de


Beschaffte Produkte

:
Dienstleistungen: Postdienstleistung

Beschreibung des Praxisbeispiels

Ab Juli 2023 gilt in der Landeshauptstadt Stuttgart ein neuer Rahmenvertrag über die Zustellung von nationalen und internationalen Briefsendungen – Ergebnis einer EU-weiten Ausschreibung in 5 Losen. Der Vertrag gilt zunächst 24 Monate mit zweimaliger Verlängerungsoption um jeweils ein Jahr.

In Punkt 14 „Nachhaltigkeit“ legt die Leistungsbeschreibung fest:

„Der Bieter bzw. Auftragnehmer nimmt an einem Umweltmanagement-System teil und kann dies durch ein Zertifikat belegen, z.B. EMAS, ISO-14001 oder vergleichbar. Das entsprechende Zertifikat ist mit Angebotsabgabe vorzulegen.“

Weiter heißt es zur Klimaneutralität:

„Der Bieter bzw. Auftragnehmer erhebt regelmäßig die Emissionen (mindestens Scope 1 und Scope 2), die durch die eigene Geschäftstätigkeit entstehen. Diese Erhebung muss nach einem anerkannten Standard wie beispielsweise ISO14064/14067 oder gleichwertig durchgeführt werden. Ein schriftlicher Nachweis über die Erhebungsmethodik ist dem Angebot ebenfalls beizufügen.

Zur Bestätigung der tatsächlichen Kompensation von nicht vermeidbaren Emissionen, reicht der Bieter bzw. Auftragnehmer einen unabhängigen Nachweis über Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte mit dem Angebot ein.“

In die Wertung ging der Nachweis eines Mobilitätskonzeptes (für Los 1 – Los 4) positiv ein. Dafür war ein Fragenkatalog zu beantworten, in dem Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen, etwa durch emissionsarme oder emissionsfreie Fahrzeuge beschrieben werden.

[Beispiel aus dem Wertungsfragebogen]

Die Implementierung der Nachhaltigkeitskriterien hatte keinerlei Auswirkungen auf die Kosten gegenüber vorangegangenen Ausschreibungen.

 

[Auszug aus der Leistungsbeischreibung zum Download]


Einwohnerzahl Stuttgart: 633.000

Kontakt:

Lea Henes
Ökofair soziale Beschaffung
Telefon: 0711-216-89069
E-Mail: poststelle.nachhaltige-Beschaffung@stuttgart.de


Wer kennt sich mit diesem Produkt besonders gut aus?

Anton Pieper
Anton Pieper WEED e.V. – World Economy, Ecology & Development
Ansprechperson für: Fuhrpark
0049 030 280 44 820
anton.pieper@weed-online.org
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