Kompass Nachhaltigkeit

Öffentliche Beschaffung

Soziale und ökologische Herausforderungen

Was Sie bei der Beschaffung von Spielzeug beachten sollten

In Sachen Nachhaltigkeit geht es bei Spielzeug vor allem um zwei Herausforderungen: schädliche Inhaltsstoffe in Spielwaren und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Spielzeugfabriken. Einige der Ursachen dafür sind in der Struktur der Branche zu suchen, in der Art und Weise, wie Spielzeug hergestellt, gehandelt und eingekauft wird. 

Die Verkaufserlöse mit Spielzeug steigen seit mehr als zehn Jahren doch der Anteil der in Deutschland gefertigten Spielwaren sinkt dabei kontinuierlich. Während 1990 noch etwa die Hälfte aus heimischer Produktion stammte, sind es aktuell weniger als 20 Prozent. 80 Prozent stammen aus dem Ausland, vor allem aus Niedriglohnländern. Denn allzu oft muss Spielzeug vor allem eines sein: billig. 

Kommunen kaufen Spielzeug vor allem für Kindertagesstätten und Schulen ein, überwiegend bei spezialisierten Kita- und Schulausstattern, die neben Spielzeug in der Regel unter anderem auch Mal- und Bastelbedarf, Außenspielgeräte oder Möbel anbieten.

Allgemeine Hinweise zum Einkaufprozess finden Sie hier

Weitere Informationen zu Spielzeug:

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Lieferkette im Detail

Klicken Sie auf einzelne Schritte in der Infografik links, um mehr über die ökologischen und sozialen Herausforderungen bei der Beschaffung von Spielwaren zu erfahren.

01 Rohstoffgewinnung

Spielzeug ist eine äußerst heterogene Produktgruppe: Fast 700.000 unterschiedliche Spielzeuge werden in Deutschland angeboten. Spielwaren bestehen aus Kunststoff, Metall, Holz, Pappe, Plüsch oder Stoff; manche sind elektrisch betrieben oder haben elektronische Komponenten. Die wichtigsten Produktgruppen sind Bausätze (18 %), Spiele und Puzzles (15 %), Spielzeug für Klein- und Vorschulkinder (14 %), Puppen (10 %), Fahrzeuge (9 %), Outdoorspielzeug (9 %), daneben Plüschtiere, Bastel- und Malutensilien, Actionfiguren und vieles andere mehr. ​

Entsprechend heterogen – und eher material- als branchenspezifisch – sind die Bedingungen und Herausforderungen bei der Rohstoffgewinnung. In der Diskussion um die Nachhaltigkeit von Spielzeug spielen sie bisher eine untergeordnete Rolle.

Ökologische Herausforderungen

  • Textilspielzeug (Naturfasern): Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln, Flächenverbrauch, Bodendegradation z.B. durch Versalzung der Böden, Einsatz von genmanipuliertem Saatgut, hoher Wasser- und Energieverbrauch
  • Spielzeug aus Kunststoff / Textilspielzeug (Kunstfasern) : Einsatz von Chemikalien, Verbrauch von Rohöl, hoher Energiebedarf
  • Spielzeug aus Holz oder Pappe/Papier: Entwaldung (teilweise illegal), Bedrohung der Artenvielfalt, Bodenschäden, Beeinträchtigung des lokalen und globalen Klimas
  • Spielzeug aus Metall / Elektronikspielzeug: Flächenverbrauch, Entwaldung, Einsatz von giftigen Substanzen, Verschmutzung von Böden und Gewässern, Ausbeutung von Grundwasservorkommen, Zerstörung von Biotopen, hoher Energieeinsatz 

Soziale Herausforderungen

  • Textilspielzeug: geringe Löhne, unregelmäßige Einkommen und fehlende soziale Absicherung, unzureichender Schutz der Arbeiter*innen vor gesundheitsschädigenden Pestiziden, Kinder- und Zwangsarbeit
  • Spielzeug aus Holz oder Pappe/Papier: Gefährdung der Lebensgrundlagen umliegender Gemeinden (insbes. indigener Völker) durch Entwaldung und Holzeinschlag, geringe Löhne, unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und Unfälle beim Abbau, Diskriminierung und Zwangsarbeit, Korruption
  • Spielzeug aus Metall / Elektronikspielzeug: Gefährdung der Lebensgrundlagen lokalerGemeinden (insbes. indigener Völker), Landvertreibungen, Ressourcenkonflikte, Unterstützung von bewaffneten Konflikten, schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Löhne, unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und Unfälle, Gesundheitsschäden durch Schwermetallvergiftungen

02 Herstellung

Zumindest für einen großen Teil des in Deutschland verkauften Spielzeugs ist der Preis ein entscheidender Faktor. Überwiegend stammt Spielzeug heute aus chinesischer Produktion: In Deutschland sind das 45 Prozent der Importe, in Europa sogar 80 Prozent. 

Die Diskussion um schlechte Arbeitsbedingungen wurde und wird von daher vor allem mit Blick auf die Situation in China geführt, wo sich die Spielzeugindustrie im Süden des Landes nahe Hongkong konzentriert und fest mit dem Wanderarbeitssystem verbunden ist. Andere asiatische Länder spielen bisher nur eine untergeordnete Rolle. Auch Programme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen haben ihren Fokus auf China. Allerdings gibt es in den letzten zehn Jahren einen Trend weg von China und hin zu marktnäheren Standorten, vor allem in Osteuropa. 

Für die Arbeitsbedingungen in der Produktion zentrale Aspekte sind die Schnelllebigkeit und die Saisonalität der Branche: 60 Prozent der Spielzeuge in einem Jahr sind Neuentwicklungen, und jedes zweite Spielzeug bleibt gerade mal zwei Jahre am Markt. Der Markt ist zudem sehr saisonal geprägt mit Schwerpunkt auf dem Vorweihnachtsgeschäft.  Daher werden von den Fabriken in der Hochsaison Tausende Arbeiter*innen eingestellt (und danach wieder entlassen) und regelmäßig müssen diese über das gesetzliche Maß hinaus (zum Teil erzwungene) Überstunden leisten. Bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen muss es also immer auch um eine Veränderung der Einkaufspolitik der Abnehmerfirmengehen.

Ökologische Herausforderungen

  • Verwendung problematischer Kunststoffe (z.B. PVC) und Einsatz toxischer Chemikalien wie z.B. Phthalaten (Weichmacher) in Plastikteilen
  • Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser durch mangelndes / fehlende Umweltschutzvorkehrungen
  • hoher Energiebedarf (in China hoher Kohleanteil am Strommix)

Soziale Herausforderungen

  • geringe Löhne und verspätete Auszahlung
  • überlange Arbeitszeiten und erzwungene Überstunden
  • ungesicherte Arbeitsverhältnisse und fehlender Kündigungsschutz
  • gesundheitliche Schäden durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit Chemikalien und Maschinen
  • unzumutbare Bedingungen in Fabrikunterkünften
  • fehlende Arbeitnehmervertretung

03 Nutzung

Eine zentrale Herausforderung in der Nutzungsphase ist, dass Spielzeug gefahrlos benutzt werden kann und keine Schadstoffe enthält. Auf europäischer Ebene regelt die Spielzeugrichtlinie die Sicherheitsanforderungen an Spielzeug. 

Doch tatsächlich dürfen Chemikalien, die Krebs erzeugen, das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen können, in Mengen von bis zu 1.000 Milligramm pro Kilogramm enthalten sein. Die Grenzwerte sind umstritten, denn das Risiko dauerhafter Schäden steigt mit der Vielzahl von Giften, denen Kinder ausgesetzt sind. Und Kinder sind gegenüber chemischen Stoffen wesentlich empfindlicher als Erwachsene. Hinzu kommt, dass die Spielzeugrichtlinie einige Substanzen nicht berücksichtigt und viele Produkte, die von Kindern genutzt werden, nicht unter die Spielzeugrichtlinie fallen.

Dass Spielzeug sicher ist, muss auf dem europäischen Markt mit dem CE-Zeichen bestätigt werden, das jedoch kein Prüfsiegel ist, sondern vom Hersteller selbst auf dem Produkt aufgebracht wird. Die lückenhaften Gesetze, schwachen Kontrollen und das nicht aussagekräftige CE-Zeichen führen dazu, dass immer wieder schadstoffbelastete Kinderprodukte auf den Markt kommen. Mit einem Anteil von 29 Prozent waren Spielzeuge auch 2019 die am häufigsten von Rückrufen betroffene Produktgruppe im Europäischen Schnellwarnsystem RAPEX.

Ökologische Herausforderungen ergeben sich auch aus den kurzen Produktlebenszyklen und der Modeabhängigkeit von Spielzeug sowie dem verbreiteten Überkonsum. Beim Einkauf sollte also auch darauf geachtet werden, dass das Spielzeug langlebig und reparaturfähig ist und nach der Nutzung weitergegeben werden kann. Mit Tauschbörsen oder Flohmärktenkönnen Kitas und Schulen Vorbilder sein und sinnvolle Angebote machen.

Ökologische Herausforderungen

  • hohes Abfallaufkommen durch geringe Lebensdauer, kurze Produktlebenszyklen und Überkonsum

Soziale Herausforderungen

  • Gesundheitsgefährdung durch schädliche Inhaltsstoffe und Kleinteile
  • geringer Spielwert

04 Recycling & Entsorgung

Die Entsorgung von Spielzeug kann in erster Linie unter ökologischen Gesichtspunkten problematisch sein. Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit sind dabei relevante positive Produktmerkmale, ebenso ein langfristig hoher Spielwert. Spielzeug, das diesen Kriterien genügt, kann auch leicht wiederverwendet werden. 

Es liegen kaum Informationen darüber vor, inwieweit es technisch, ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, Spielzeuge unterschiedlicher Art stofflich zu recyceln. Je mehr Materialien ein Spielzeug enthält, umso schwieriger dürfte das Recycling sein. Zwar gibt es einige Hersteller von Spielzeug aus recyceltem Kunststoff, aber nur ein Spielzeughersteller weltweit bietet zurzeit ein Recycling-Programm für seine Produkte an.

Ökologische Herausforderungen

  • Umweltbelastung durch toxische Inhaltsstoffe bei nicht vorschriftsmäßiger Entsorgung insbesondere von Elektronikspielzeug
  • Emissionen und Kontaminationen bei der Müllverbrennung und Deponierung

05 Transport

Gewinnung von Rohmaterialien in Südamerika, Afrika oder Australien, Verarbeitung und Montage der Komponenten in Asien und Vertrieb in Europa und Deutschland: So oder so ähnlich können Lieferketten in der Spielzeugindustrie aussehen. Von der Rohstoffgewinnung bis zum Endkunden werden lange Transportwege zurückgelegt. Treibstoffverbrauch und Abgase sorgen für Umwelt- und Klimabelastungen, die auch für die Gesundheit schädlich sind.