Kompass Nachhaltigkeit

Öffentliche Beschaffung

Holz und Holzprodukte

Soziale und ökologische Risiken in der Lieferkette von Holz und Holzprodukten

Das Wichtigste in Kürze

Was Sie bei der Beschaffung von Holz & Holzprodukten beachten sollten

Kommunen benötigen Holzprodukte, insbesondere Möbel, für die Büros ihrer Verwaltungen, beschaffen diese aber auch für öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art. Für die Herstellung von Möbeln werden verschiedene Materialen benötigt, darunter Holz, aber auch Aluminium und Stahl, Lacke und Kunststoffe. Dies geht mit verschiedenen ökologischen und sozialen Risiken einher.

Je weniger Möbel neu angeschafft und je länger diese genutzt werden, desto besser. Darüber hinaus kann die öffentliche Beschaffung wichtige Anreize für eine nachhaltigere Produktion setzen.

Die Lieferkette von Holz & Holzprodukten im Detail

Lieferkette im Detail

(nach UBA)

Klicken Sie auf einzelne Schritte in der Infografik links, um mehr über die ökologischen und sozialen Risiken bei der Beschaffung von Holz & Holzprodukten zu erfahren

01 Rohstoffgewinnung

Für die Produktion von Möbeln werden verschiedene Materialien benötigt, allen voran Holz. Dabei handelt es sich zwar um einen nachwachsenden Rohstoff, doch die hohe Nachfrage ist alles andere als umweltfreundlich: Jedes Jahr gehen 13 bis 15 Millionen Hektar Wald weltweit verloren – das sind etwa 35 Fußballfelder pro Minute. Und dabei ist Wald nicht gleich Wald: Für nicht-heimische, tropische Holzarten wie Akazie, Eukalyptus und Teak werden Urwälder oder naturnahe Wälder gerodet, oftmals illegal. Das gilt auch für den Holzschlag aus nördlichen, borealen Wäldern. Darüber hinaus wird Tropenholz häufig auf Plantagen angebaut, und zwar als Monokulturen. So führt insbesondere die Verwendung von Holz, das nicht aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, zum Verlust von Biodiversität und zur Zerstörung von Lebensräumen.

Ökologische Risiken:

  • Waldschäden und Entwaldung insbesondere durch illegalen Holzschlag
  • Verlust von CO2- und Wasserspeichern
  • Hohe Pestizid- und Düngereinsätze bei Monokulturen, die zugleich Böden durch einseitigen Nährstoffbedarf auslaugen
  • Verlust von Flächen durch Monokulturen, die für alternative Nutzung (z.B. Landwirtschaft) verloren gehen
  • negative Auswirkungen auf Biodiversität (Verlust von Ökosystemleistungen und Artenvielfalt)

Soziale Risiken:

  • Verlust des Zuhauses und von Lebensgrundlagen, insbesondere indigener Gemeinden
  • Prekäre und gefährliche Arbeitsbedingungen im Holzabbau
  • Verletzung des Rechts auf Versammlung von Arbeiter*innen und Verletzung des Rechts auf kollektive Tarifverhandlung
  • Niedrige Löhne

Weiterführende Literatur:

02 Verarbeitung

Metalle, Lacke und Kunststoffe, Leder und Textilien, vor allem aber jede Menge Holz: So sieht der Materialmix der meisten Möbel aus. Das Holz wird je nach Qualitätsgrad intensiver bearbeitet, etwa zum Schutz vor Schädlingen und Pilzen. Für Spanplatten werden die Späne verleimt, oft mit Formaldehyd – ein gesundheitsschädlicher Stoff, den Holzprodukte aus ungeschützten, nicht verklebten Stellen freisetzen können. Die Endfertigung von Holzprodukten ist in globalen Wertschöpfungsketten organisiert, mit denen der viel beschriebene „Wettlauf nach unten“ einhergeht: Die Produktion ist häufig dort am günstigsten, wo die ökologischen und sozialen Standards am niedrigsten sind. So ist der Großteil der nach Deutschland importierten Holzprodukte aus dem unten Preissegment.

Ökologische Risiken:

  • Hoher Holzverbrauch
  • Verbrauch anderer Materialien
  • Einsatz von Chemikalien

Soziale Risiken:

  • Prekäre und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen
  • Verletzung des Rechts auf Versammlung von Arbeiter*innen und Verletzung des Rechts auf kollektive Tarifverhandlung
  • Niedrige Löhne

Weiterführende Literatur:

European Environment Bureau (EEB) (2017): Circular Economy Opportunities in the Furniture Sector

Germany Trade & Invest (GTAI) (2020): Chinesische Möbelindustrie wandert nach Vietnam ab

03 Nutzung

Grundsätzlich gilt: Je weniger Holzprodukte neu angeschafft werden und je länger diese genutzt werden, desto besser. Außerdem sollte bei der Beschaffung von Holzprodukten auf Schadstoffe geachtet werden, darunter Lösemittel aus Wachsen, Weichmacher aus Lacken, Terpene und Aldehyde aus Hölzern. Unabhängig davon, ob sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind, können diese so genannten „flüchtigen organischen Verbindungen“ in größerer Summe gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Bei der Beschaffung sollte der Fokus auf zertifizierten, schadstoffarmen Möbeln aus nachhaltiger Forstwirtschaft liegen.

Gesundheitliche Risiken:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen oder Augenreizungen durch unzureichende Luftqualität in Innenräumen
  • Reizung der Augen und Schleimhäute durch Formaldehyd
  • Hervorrufen allergischer Reaktionen durch Schadstoffe, die aus Holzprodukten freigesetzt werden

Weiterführende Literatur:

04 Entsorgung

Wenn Holzprodukte nicht mehr benötigt werden, können sie gespendet oder weiterverkauft werden. Sind die Möbelstücke nicht mehr zu gebrauchen, können sie beim Wertstoffhof entsorgt werden – dabei ist je nach Möbelstück zwischen Altholz und Sperrmüll zu unterscheiden. Je weniger Schadstoffe, desto einfacher ist der Recyclingprozess. Ist das Holz nicht mehr zu recyceln, so kann es durch Verbrennung noch energetisch genutzt werden.

Um sich für eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft einzusetzen, können Kommunen auch Unternehmen und Initiativen fördern, die sich mit dem Upcycling von Möbeln oder dem Öko-Design von Möbelstücken beschäftigen.

Ökologische Risiken

  • Entstehung großer Abfallmengen
  • Kontaminationen durch Müllverbrennung

05 Transport

Holzschlag in Russland, den USA und Indonesien; Produktion in China, Polen und Vietnam; anschließend der Transport nach Deutschland: So oder so ähnlich können Lieferketten von Holzprodukten aussehen. Von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum fertigen Endprodukt werden meist lange Wege per Schiff, Lkw und Zug zurücklegt. Treibstoffverbrauch und Abgase sorgen für Umwelt- und Klimabelastungen, die auch für die Gesundheit des Menschen schädlich sind. Für den Transport mit schweren Nutzfahrzeugen wie Lkw gilt die Abgasnorm Euro VI, die von Beschaffern für den Transport verlangt werden sollte. Aus ökologischer Sicht ist eine Regionalisierung der Produktion sinnvoll, um den langen Transport der verschiedenen Produktteile zu vermeiden.